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Die O-TonPiraten-Story 

Nachdem die "Preddy Show Campany" nicht nur in Berlin Off-Theater-Geschichte geschrieben und sich 1994 von ihren Fans verabschiedet hatte, waren die Glanzzeiten des Vollplaybacktheaters vorbei. Vorerst! ...Bis Jochen Paul und André Fischer (Ex-Preddy) am 1. Januar 1999 ihre O-TonPiraten gründeten.

Drei weitere Mitspieler wurden schnell gefunden (Tillmann C. Jakob, Chrille Fritz und Thorsten Junge). Rainer Buhr*, ein langjähriger Freund, stand mit unschätzbarem Filmwissen und seinem Privatkino mit Rat und Tat zur Seite und zeichnete für Filmrecherchen und bei der ersten Produktion auch für den Tonschnitt verantwortlich. Der Designer
.Ken B.* entwarf den größten Teil der Kostüme und selbst Gerhard Winterle*, legendärer Gründer der "Preddy Show Campany", konnte für choreografische Mitarbeit gewonnen werden.

Das Erstlingswerk

Am 5. September 1999 war es dann soweit: Die O-TonPiraten präsentierten ihr erstes O-Ton-Theater-Spektakel "COMEBACK" im restlos ausverkauften
Café Theater Schalotte in Berlin-Charlottenburg. 320 Besucherinnen und Besucher feierten die O-TonPiraten bis in die frühen Morgenstunden. An diesem Abend war klar: Das Vollplaybacktheater wurde durch die O-TonPiraten erfolgreich wiederbelebt.

Die Macher der Bar jeder Vernunft, Lutz Deisinger und Holger Klotzbach, besuchten die erste Spielzeit von "COMEBACK" und waren so begeistert, dass die Piraten direkt vom Café Theater Schalotte in die
Bar jeder Vernunft umzogen. Für vier Wochen galt es, das verwöhnte "Bar-Publikum" von einer ganz ungewohnten Kunstform zu überzeugen. Die Piraten haben es geschafft - die Bar jeder Vernunft verlängerte um weitere vier Wochen.

Die O-TonPiraten wurden mittlerweile von der längst in allen Kleinkunstbereichen bekannten
Agentur Rampensau vertreten. Es folgten Touren und gefeierte Auftritte unter anderem in Hannover und am Bodensee. Im Dezember 2000 gaben die O-TonPiraten ihren glanzvollen Jahresabschluss im Theaterstadel am Gehrenberg vor ausverkauftem Haus.

Die Premiere eines neuen Stückes sollte im September 2001 in Berlin stattfinden. Da passierte das Unmögliche: Gleich drei Piraten verletzten sich: Hodenverdrehung, Hexenbruch und Knieschuss. Alle Auftritte und die Premiere mussten abgesagt werden. Die O-TonPiraten wurden zum Pausieren gezwungen. Nach Rehabilitation aller Gebrechen lud die Stadt Friedrichshafen im Sommer 2002 die O-TonPiraten zum Kulturufer ein. Sie folgten der Einladung und spielten nocheinmal "COMEBACK" in einem vollgestopften, jubelnden Zelt. Das Stück hatte auch nach zwei Jahren nichts an Schwung verloren. Das Publikum feierte die Rückkehr der Piraten, doch es fragte auch immer ungeduldiger: Wo bleibt das neue Stück?

Wie es zu "LIEBE IST" kam

"COMEBACK" hatte in einem Hotel gespielt, was reichlich Gelegenheit bot, ganz verschiedene Figuren und Handlungsstränge zu kombinieren. Für die neue Show sollte nun ein Filmgenre als Hintergrund dienen und eine (mehr oder weniger) durchgehende Handlung konstruiert werden. Unser Freund Rainer Buhr gab den Anstoß, die Liebe zum Hauptthema zu machen. Eine dramaturgische Struktur wurde entworfen, die auf (und mit) zwei Ebenen spielt, die Entwicklungen ermöglicht und Überraschungen birgt. Ausgangspunkt ist der sonntägliche Fernsehabend im Gemeinschaftsraum des Seniorenstifts "Zum letzten Vorhang", eines gemeinnützigen (gemein und nützlich) Heimes für alte Schauspieler. In der Glotze gibt es einen Liebesfilm...

Bereits das ganze Jahr 2002 hindurch wurde Material gesucht, gesammelt und gesichtet. Das vorläufige Ergebnis war ein Sammelsurium von Filmszenen und Musikstücken, die (selbst auf die theoretisch verwendbaren Ausschnitte reduziert) noch über 30 Stunden Material darstellten. Von da an wuchs zusammen, was nicht zusammengehörte: Töne und Atmos wurden (so gut es ging) angeglichen, Dialoge gekürzt, Sätze umgestellt, Worte umgedreht und verschoben, Musikphrasen versetzt, verlängert oder verkürzt, unterschiedlichste Elemente hinzugemischt, Geräusche mal verdoppelt, mal gedämpft und verschiedenste Effekte ausprobiert, was unserem vor Ideen sprühenden multitalentierten Schnittmeister und Dramaturgen Thomas David Boehm* mehr als nur ein paar graue Haare bescherte. Bald waren Schnitte, Blenden und "Zwischenmischen" längst nicht mehr zu zählen.

Zeitgleich begannen die ersten Proben. Wem das zweifelhafte Privileg eines Probenbesuches im ungeheizten Theater Schalotte zu Teil wurde, konnte staunend zusehen, wie die O-TonPiraten zusehend alt aussahen. Doch das war in diesem Falle rollenbedingt und ein erfreuliches Zeichen eiligen Fortschritts. Das Ergebnis von so viel "Liebesmüh" war nunmehr eine neue Show (wenn auch mal wieder auf dem letzten Drücker). Dargeboten in Variophon, Sensorama und Dramascope präsentierten die O-TonPiraten, was "LIEBE IST". Auch diese Produktion erwies sich zur Freude aller Beteiligten als absoluter Volltreffer. Die Presse überschlug sich und die O-TonPiraten auch. Bis Dezember 2003 noch mit ihrer allseits geliebten ersten echten Frau im Ensemble, Nadine Wrietz (berufsbedingt dann leider ausgeschieden) und später wieder - nicht minder geliebt - mit einem Mann der ersten Stunde, Thorsten Junge.

Zum fünften Geburtstag im September 2004 eroberten die Piraten ein weiteres Berliner Haus, das
BKA-Theater, und feierten auch dort Erfolge.

Nun voll in Fahrt

Und wer so viel geliebt wird, denkt nicht ans Aufhören! Schon kurz nach der Premiere von "LIEBE IST" machte man sich erneut auf die Suche nach einem Thema für eine dritte Show - und man wurde fündig.

Ein Gastauftritt 2005 auf der AIDA während einer Kreuzfahrt inspirierte die Enter-tainer zu Thema, Inhalt und Titel ihrer neuen, wahnwitzigen, irrsinnigen, poetischen, blitzschnellen, technicolor-bunten O-TonPiraten-Show "GROß IN FAHRT" und es gelang den fünf tanzenden Piraten mit Hilfe der hinzugewonnenen Freunde und Mitarbeiter, dem Choreografen Danny Arnold* und der erstklassigen Kostümbildnerin Ingrid Buhrmann*, ein glorioser Stapellauf, der nicht besser hätte sein können: die neue Show "GROß IN FAHRT" wurde vom Publikum mit rasender Begeisterung aufgenommen, und man durfte damit rechnen, dass dies die O-TonPiraten weiter auf Spitzenkurs hält. Die Zahl der Tournée-Auftritte und bespielten Theater und Veranstaltungsorte war in den vergangenen Jahren beträchtlich gewachsen.

Im September 2006 überschlugen sich die Ereignisse! Die Piraten wurden für den Kleinkunstpreis "St. Ingberter Pfanne" nominiert. Leider wurde die "Pfanne" anderweitig vergeben, aber die Piraten waren nicht lange traurig und sehen der nächsten Nominierung mit Spannung entgegen. Thorsten Junge verlässt die Truppe, um sich anderen Aufgabengebieten zu stellen. Tschüss "Totte", werde ein Star! Nach unzähligen Castings wurde schon im Oktober 2006 der "neue Mann" Theodor van den Boom mit offenen Armen willkommen geheißen. Umgehend arbeiteten die Piraten daran, ihn für "GROß IN FAHRT" und die anstehende Dezember-Spielzeit 2006 fit zu machen, sowie auch an ihrer bereits in Planung befindlichen ersten abendfüllenden Best Of-Show.

Die "Werkschau"

Nach drei so erfolgreichen und vom Publikum geliebten Shows, waren die Piraten der Meinung, dass es Zeit sei, die von Fans und von den Darstellern selbst favorisierten Szenen aus den bisherigen Programmen in e i n e r Show noch einmal wiederzubeleben. Es wurde an der Auswahl und Reihenfolge getüftelt, Besetzungen umgestellt, Szenen, Musik und Dialoge neu arrangiert und choreografiert, wieder im Studio geschnitten und gemischt, Kostüme erneuert… letztlich ein Aufwand betrieben, wie bei der Produktion jeder neuen Show.

Gleich zwei Berliner Theater rissen sich um die Premiere von "GESCHNITTEN VOM STÜCK". Die Piraten und die Fans freuten sich auf eine glanzvolle und ausgelassene Erste (im BKA) und Zweite (im Theater Schalotte) im Februar 2007 und wurden nicht enttäuscht und alle beteiligten hoffen, dass diese Erfolgsgeschichte fortgeschrieben wird.
Es stellte sich schnell heraus, dass diese Show, in der eine Szene die vorangegangene, ein Gag den anderen jagt, die in wilder Fahrt durch Höhepunkte der ersten 3 Programme hüpft, zu einem vom Publikum besonders honorierten Spektakel würde. Noch in der Spielzeit der Best Of-Show im Jahre 2007 tauchte ein lang gehegter Wunsch wieder auf. Zum fulminanten und schon traditionellen Jahresabschluss am Gehrenberg fand er jubeltaumelnd seinen Durchbruch zum Beschluss der Piraten: Der nächste Beutezug muss den monumentalen und Sandalen-Filmen gelten!

Der V. Streich, Volumen V, oder: mit Mach V durch die Antike?!

Der Titel der Show war diesmal recht schnell gefunden: Die 5. Show der 5 Piraten, das Thema addiert, ergab: "ROEMSICH FUENF". Den Untertitel 'kolossal sandaloes' steuerte ein wort-witz-gewandter Freund bei.

Im Frühjahr 2008 wurde damit begonnen, alles zum Thema passende zu suchen und zu durchforsten. Von historisch korrekten Dokumentationen, über schwülstig-schmachtende Dramen und Epen, bis zu durchgeknallten Komödien. Schon war der Premierentermin vertraglich vereinbart und so stiegen der Druck und der Berg an Arbeit unwiderruflich von linear auf exponentiell und warteten auf Bewältigung.

Man sichtete und hörte sich durch den nicht ganz alltäglichen Alltag einer Familie, mit Liebe, Lust und Leid; durch die große und kleine Politik, deren Macht und Ohnmacht aus Ränken, Intrigen und Mord; kreuz und que(e)r durch die römisch-ägyptische Geschichte(n) der Königinnen, Kaiser, Ceasaren, Senatoren, Bürger, Plebejer und Sklaven.
Stetig türmte sich die Material-Pyramide aus ne(u)ro-tisch gebrannten Silberlingen zu einem Sammelsurium aus historischen oder hysterischen Ereignissen, Filmszenen, Dialogen, Musiken, Geräuschen und Atmosphären, mit Figuren wie Ceasar, Cleopatra, Nero, Ben Hur, Jesus… und hunderten anderen namenlosen oder namhaften Gestalten.
Langsam und beschwerlich ordnete sich die dramaturgische und geographische Reise im Kopf, auf dem Papier und in ersten Test-Schnitten; von Osten nach Westen, von Rom als Zentrum der Macht, bis nach Judeja, dieser fernen Provinz, schließlich nach Ägypten, als zweiter Großmacht und Anziehungspunkt der antiken Welt, in die das Publikum verführt und irregeführt werden sollte.

Wie bei allen vorangegangen Shows stieg der Anspruch auch an Bühnenbild, Kostüm, Licht, Effekte und den Soundteppich weiter.
Zur größten Überraschung und Freude bot sich mit Lutz Mackensy, ein Fan und professioneller Schauspieler und Synchronsprecher, an, als Erzähler unter dem Pseudonym 'Claudia' verbindende und verbindliche Monologe einzusprechen, um leidenschaftlich, süffisant oder verzweifelt, nach dem Motto: veni vidi tinnitus, Ordnung in das geschichtliche und personelle Chaos der Tunika-Oase bringen zu wollen.
Erstmalig auch wurden die 5 Legionäre für ihren 8-monatigen Feldzug durch alle zu erobernden Gebiete, wie Recherche, Vorarbeit, Lernen, Studioschnitt, Proben, Grafik, PR-Arbeit uvm. umfangreicher finanziell und materiell aus dem 'Hinterland' durch Sponsoren unterstützt. Ohne deren Hilfe wäre der Aufbau dieser neuen aufwändigen Show-Welt vom Okzident bis zum Orient nicht zu bewältigen gewesen.

Die Eroberung gelang!
Die Premiere war bereits 2 Wochen vor dem Start nahezu ausgebucht. Alle folgenden Vorstellungen spiegelten die gewachsene Gemeinde der Fans und Neugierigen in Besucherzahlen wider. Überglücklich marschierten die O-TonPiraten durch einen Triumphbogen, den das Publikum sowie regionale und nationale Prominenz allabendlich über ihnen erbaute.

FORTUNA!

Nun, 10 Jahre später, nehmen sich die O-TonPiraten die Kultur- und Sozialwelt Berlins zur Brust. Mit ihrem eigenen ON-Theater "O-TonArt" in Berlin-Schöneberg.

That's Entertainment! - That's Social work!

Stand: September 2009
*siehe –hinter den Kulissen-




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